inter-culture-week-end

wer denkt, dass es zwischen glossar und adha gaon*1, mukherjee nagar und pahar ganj, nachts nur king fisher*2 und/oder schlaf gibt, hat sich seit dem vergangenen wochenende – masha-allah! – geschnitten. bis auf den knochen. jihaaa.
der süden rief. (man muss dazu dieses sich unweigerlich wiederholend mitgeteilte klaffen zwischen nord- und süddelhi bewusst machen. wer im süden wohnt, hat keine ahnung vom norden und meist kein bedürfnis, daran etwas zu ändern, und umgekehrt. geschürt wird das ganze durch fakten wie: die metro ist bis dato nur bis zur mitte, ansonsten im norden ausgebaut.. im süden fährt man also rikscha, taxi oder gar nicht. das ist alles teurer, macht aber auch nix, weil “die im süden” sowieso mehr kohle haben. delhis fettaugen schwimmen also irgendwie unten — bei den botschaften mit den piekfeinen alleen, den menschen- und müllkargen bürgersteigen und somit weitem blick über die zaunvariationen der neu-, alt- und pseudoreichen auf gesittete, indiengetarnte allerweltsarchitektur und mit unter umständen dem erhaschen der silhouette einer wirbelnden putzfrau – den, in nord wie süd, mittelalterlich selbstgebundenen (bibi blocksberg-)besen schwingend, die ihr naiv ehrliches lächeln über die monatlichen 700 rupien für die 7-köpfige familie nicht so wegwischen kann und will, wie täglich den fremden dreck*3 …süd-nord-gefälle..geld also, infrastruktur, menschendichte, oasenvorkommen (parks vor allem im süden), kultur (am besten immer schon uttar pradesh*4, damit man ein monatliches putzfraueneinkommen für’s taxi heim bezahlt..wir wohnen im norden, sagte ich das..?) und natürlich die zu ewigkeit verdammter rivalität zwischen jnu (jawaharlal-nehru-university, süd) und du (delhi university), ja…kein ende, aber auch alles bisschen sehr schwarz-weiß……………………..)
pilgerstätte für den samstag war also zunächst der nehru park im süden. rikscha von central secretariat (die station, vor der die metro immer erst nochmal ein minütchen im schacht hält, alles aufspringt und sich wundert, wieso an der endhaltestelle zappen duster ist…aber is ja dann immer gar nicht, weil man noch überhaupt nicht mal annähernd da….und so). bambulchen dort. umzäunt (natürlich!), holztor zum elektronischen filzen (auch klar…), noch ein flyer von spic macay*5 und auf auf, vorbei an den gefühlten trilliarden weißer stuhlhussen (wahnsinniges wort), erst am rand, dann trauen wir uns auf die nachtfeuchten (?) decken zwischen den bestuhlten blöcken mittig zur bühne und hören das mikro schon knacken. (((ohje. jemand hat licht angeknipst auf dem balkon. heißt mond. das ja was. außerdem: orion. wärmt bisschen, manches überall zu wissen))) begrüßung also – hindi, englisch. klatschen. keine vorband, nur zwei zimmerpflanzen zwischen werbeplakaten und die vier heiligen instrumenthalisten…trommeln, sarod…klingt wie.. …ach, sowas beschreibt man nicht, weil’s nicht geht – da bietet das weltweitegewebe bestimmt möglichkeiten (ein star an der sarod: ustad amjad ali khan) sich selbst zu bebildern. auf jeden fall sphärisch, “moody” (igitt). gepackte massen, stille, genuss, rhythmisch wippen, schlaf (jap. eigene erfahrung), genuss – hatt’ ich schon, hingabe. 2 stunden. intensiv gefühlte 20 minuten, so kurzweilig, obwohl/weil meditativ.
nächster halt: max mueller bhavan. goethes institut (wenn der das wüsste…). electronica. indische und deutsche djs und vjs. eine skurril gemixte, interkulturelle ausstellung. carlsberg und fosters für je 100 rupien, veg./chicken/panir rolls von zusammengestellten tischen für den ausschank in gartenparty-manier mit viel zu vielen geschäftigen dahinter. bunt gemischte anwesende, erstmals jedoch mehr als eine handvoll deutsche. bekanntschaften sind dennoch vor allem indisch – indo-französisch, indo-portugiesisch, indo-indisch. gespräche über leben hier und da, bewusstsein und keines, umwelt, umfeld, die kunst…. irgendwann tanzen. zu elektro. sport. witzig. später auch kreischend…also, die mitstreiter. war wohl nich schlecht die auswahl…..hab ja keine ahnung, nur kompensationsdefizit, deshalb gestaltete sich die beteiligung äußerst engagiert. bis 11, halb 12. dann schotten dicht. man macht ja nich so lang in indien. hm. das war dann etwas abrupt. es dauerte auch ein wenig, bis wir geschnallt haben, dass für kein anderes dj-team umgebaut, sondern tatsächlich gänzlich abgebaut wird. 14 taxi-nummern probiert, nachdem diese entscheidung dann gefällt war. und dann passiert es tatsächlich doch noch: nachdem der abend drohte, bis auf den wissenden blickkontakt zwischen den europäisch-wirkenden, konversationslos zu enden, sprechen wir, bevor irgendwas etwas taxitechnisches erreicht gewesen wäre, “fremddeutsch”… organisatoren der veranstaltung. junge wilde mit berlin-besuch, und der soll auch gleich zum zug kommen an den plattentellern, 5 minuten von hier, party geht weiter und so….naaa gut, hab ich mir gesagt. rüber, die breiten, schwachgenutzten süddelhi-straßen entlang, durch zigstöckige waisen-neubauten an lichtenberg erinnert zum monstrum lalit – 5 sterne-hotel, wirkte zumindest so. eine hochzeitsgesellschaft strömt raus, schillernde gewänder, turbane, chauffeure, geschenke, gewusel….wir rein, gleich rechts an einem mit 4 anzugträgern besetzten einlasstischchen ohne zu zahlen vorbei durch eine glastür in eine schlauchartige edelbar mit spiegel, glas, licht, 4-meter-bar, miniröcken, hasenohren, magierumhang….aahhh. mir eröffnete sich den ganzen abend über nicht, dass es sich wahrhaftig um eine offizielle halloween-party handelte. 8 quadratmeter tanzfläche, mehr vernetzte bekannte der jungen wilden deutschen………….ein phänomen: ein großer prozentsatz auswärtiger und wahlindier verbringt den tag in den ansässigen botschaften. belgien. österreich. deutschland. hier bringt da bier dem hause 550 rupien. schön einen an der waffel. dekadentes brimborium. mir aber völlig gleichgültig. bezahle nichts und tanze bis halb 4. der befürchtung im südlichen nichts zu versacken folgend übernehme ich dann gerne das schönste dieses tages — ein so unbekannt warmes gespräch mit meinem taxi-helden. ein papa aus manali, fast 600 kilometer entfernt von frau und 2 kindern, um sich die eher blecherne nase in delhi zu verdienen, der sich für sein englisch entschuldigt, obwohl es das beste ist, was ich je gehört habe….. der alle 2 monate für ein paar tage sein wunderbares manali besucht und hier einen raum behaust, meiner neugier mit wohlwollen begegnet…………..dass die augen nicht mehr wie chillies brennen am morgen, seitdem fahrbares ausschließlich mit gas zu betanken ist…..warum er es auch so unverständlich findet, dass zu willkürlichen zeiten und unmotiviert feuerwerk in den himmel geschossen wird, was beängstigenden dunst hinterlässt…über delhi bei nacht……bei tag….im taxi…….und, ach, ich hätte mit ihm bis nach manali fahren können. aber wahrscheinlich hätte es mein budget gesprengt. 400 rupien. für’s sichere, bereicherte landen. danjewad!

*1 unser roman. jahaa – unser..rahi masoom reza. a village divided.
*2 king fisher ist alles. bier, wasser…das ist jetzt zwar nicht so die bandbreite, aber das restliche repertoire bleibt aufgrund mangelnder gedächtnistätigkeit in kürze zu ergänzen.
*3 komischerweise ist es allerdings selbst in unserem teachers transit hostel üblich, eine putzfrau zu engagieren… die hier versucht, dem in die wohnungen teleportierten schutt unseres nachbarn “baustelle” die leviten zu lesen. kein leichtes unterfangen. mein laptop-display wurde bis jetzt sich selbst überlassen und mittlerweile fällt es mir schwer, grau von dunkelgrau zu unterscheiden. das entschuldigt natürlich nicht diesen quatsch hier.
*4 delhi drum rum-bundesstaat
*5 spitzen geschichte. die organisieren alles, was kulturell verwertbar und genussversprechend ist. meist umsonst und traditionell indisch…spic macay. daumen hoch. beide.


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